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Die Überraschungen kommen nach der Einschulung! Focus Experteninterview zum Schulanfang

Focus Online hat mich zu den Herausforderungen des Schuleinstiegs interviewt und um Tipps gebeten, wie Eltern sich am besten auf die spannende neue Zeit vorbereiten können. Klar, dass ich mich über diese Anfrage gefreut habe, denn wie ihr wisst liegt mir ein gelungener Schulstart besonders am Herzen. Hier lest ihr den Anfang meines Interviews, das am 11.September 2023 erschienen ist. Übrigens: Nach 12 Stunden hatte es mein Text schon auf den vierten Platz der Focus Startseite geschafft. Nicht schlecht, oder? Damit ihr alle Fragen lesen könnt, findet ihr am Ende des Textes einen Link direkt zu Focus Online. Los geht's:


Auf den ersten Schultag kann man sich gut vorbereiten – aber worauf müssen Eltern sich

danach einstellen? „Die Überraschungen kommen erst nach ein paar Wochen“, sagt Viola

Patricia Herrmann. Sie ist Lehrerin, Elterncoach, Schulexpertin und selbst Mutter von vier

Kindern. Mit ihrem Buch „Mein Kind wird Schulkind“ hat sie einen Ratgeber geschrieben, der Eltern helfen soll, einen gelingenden Übergang von der Kita in die Schule zu gestalten. Für FOCUS online beantwortet die Expertin einige der wichtigsten Fragen rund um den Schulstart und kann den Eltern gleich zu Beginn eine große Sorge nehmen:

„Viele Kinder fühlen sich in der Schule sehr wohl und erleben das oft ganz anders als wir

glauben. Da kann man auch erstmal drauf vertrauen. Unsere Kinder haben viel mehr

Potenzial und können viel mehr schaffen, als wir ihnen oft zutrauen. Die Sorgen, die wir uns

als Eltern machen, teilen unsere Kinder oftmals gar nicht.“


Worauf müssen sich Eltern nach der Einschulung einstellen?

Viola Patricia Herrmann: Wir müssen unsere Kinder loslassen und sie in eine geführte Selbstständigkeit entlassen. Sie werden jetzt einen eigenen Weg gehen. Einen Weg, der uns Eltern teilweise verschlossen ist – anders als zuvor in der Kita. Jetzt gibt es andere Strukturen, die für die Eltern nicht immer nachvollziehbar sind. Und das ist auch das, was viele Sorgen bedingt: Man gibt sein Kind am Schultor ab und hofft das Beste. Das ist nicht einfach, gehört aber zu diesem Prozess des Loslassens an vorderster Stelle dazu.



Wo brauchen Kinder am Anfang noch die Unterstützung der Eltern?

Herrmann: Die Kinder müssen am Anfang noch nicht alles alleine schaffen – weder alleine den Schulranzen packen, noch alleine zur Schule kommen. Mein Leitsatz ist immer: Hilf mir, es selbst zu tun. Das heißt, am Anfang setzt man sich mit dem Kind zusammen, schaut gemeinsam auf den Stundenplan und überlegt, was in den Schulranzen gehört. Und dann kann man Stück für Stück die Unterstützung zurückfahren. Dabei kann man sich als Zeitpunkt an den Herbstferien orientieren. Vom Schulstart bis zu den Herbstferiensollte man sein Kind wirklich eng begleiten, Hilfe und Unterstützung anbieten. Nach den Herbstferien kann man dann zum Beispiel sagen: „Guck mal, das ist der Stundenplan für morgen. Was würdest du jetzt einpacken?“ Mit diesen kleinen Schritten in Richtung Selbstständigkeit kann das Kind lernen, sich aber auch sicher fühlen und seine eigenen Kompetenzen aufbauen.

Auch für den Schulweg gilt, dass dieser gemeinsam geübt werden muss. Es kommt immer drauf an, wie weit die Schule entfernt ist, ob das Fahrrad oder öffentliche Verkehrsmittel genutzt werden. Das muss man zusammen üben und am Anfang möglichst auch noch begleiten.

Was brauchen Kinder besonders in dieser Zeit?

Herrmann: Sie brauchen ein stabiles Umfeld und sie brauchen auch eine gewisse Ruhe, um ihre ganzen Erlebnisse verarbeiten zu können. Das bedeutet, jede Art von außerschulischer Aktivität sollte langsam angegangen werden. Wir Eltern müssen verstehen, dass ein Schultag für ein Kind so ist, wie für uns ein Arbeitstag. Für die Kinder kommen ganz viele neue Faktoren zusammen, zum Beispiel die sozialen Faktoren: Mit wem sitze ich in der Klasse zusammen? Wen mag ich, wen nicht? Wie fühle ich mich? Wie verhalte ich mich in den Pausen? Hinzu kommt die Umstellung zu den Unterrichtsinhalten und diese gebundene Struktur der Schule, die viel Sitzen und Zuhören erfordert. Das alles ist viel für die Kinder. Sie können das– aber wir als Eltern sollten sie dabei unterstützen, damit sie die Ruhe bekommen, die sie brauchen, um das zu verarbeiten. Das ist nicht zu vergleichen mit den Aktivitäten, die die Kinder in der Kita gewuppt haben. Denn die geistige und körperliche Anstrengung in der Schule ist nicht mit der Anstrengung in der Kita zu vergleichen, sondern sie ist deutlich stärker.

Und deshalb sollten die Aktivitäten aus der Kita-Zeit nicht direkt übertragen werden. Ein bis zwei außerschulische Aktivitäten pro Woche sind okay. Der Rest der Zeit sollte freier gestaltet werden. Wir dürfen auch nicht vergessen, dass wir möchten, dass unsere Kinder neue Freundschaften aufbauen. Die Kinder brauchen auch Zeit, damit sie sich verabreden können.

Welche Überraschungen kommen auf Erste-Klasse-Eltern zu?

Herrmann: Die meisten Überraschungen sind zum Glück positive. Viele Eltern rechnen nicht mit den Fähigkeiten, die das eigene Kind in sich hat. Sie sind überrascht, wenn das Kind plötzlich ruckizucki Buchstaben lernt, die vielleicht vor einem halben Jahr noch gar nicht von Interesse waren. Oder, man wundert sich, dass auf einmal im Supermarkt die Preise addiert werden.

Es gibt aber auch Überraschungen im negativen Sinne. Zum Beispiel kann es passieren, dass ein Kind nach ein paar Wochen, in denen es eine gewissen Anfangseuphorie gab, plötzlich sagt, es mag jetzt nicht, es sei müde oder so etwas. Das ist aber ein Stück weit normal und Eltern müssen ihre Kinder dann über diese Zeit hinweg tragen. Dass dieser Anfangsschwung ein bisschen verpufft und nachlässt, ist aber ein ganz normaler Prozess. Diese ganzen Veränderungen im Tagesablauf, diese neuen Strukturen, dieses eventuell frühere Aufstehen – das sind ganz neue Anforderungen. Bis sich das alles normalisiert und ​neuer Alltag wird, dauert es einfach ein paar Wochen – sowohl für die Kinder als auch für die Eltern.

Ein Tipp: Nicht zu streng sein – weder mit dem Kind noch mit sich selbst. Sich nicht zu sehr stressen, sondern einfach mal entspannen. Die Lehrer wissen, dass das für alle Beteiligten eine vollkommen neue Situation ist, sie sind Profis. Es ist nicht so dramatisch, wenn mal etwas vergessen wird. Es ist ganz wichtig, da den Druck rauszunehmen: Keinen Druck auf das Kind auszuüben aber auch nicht auf sich selbst.

Was sollten Eltern möglichst vermeiden?


Die Antwort auf diese und viele weitere interessante Fragen findet ihr direkt hier bei Focus Online.



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